30.06.2006 – Google Zahlungssystem Checkout - die neue Paypal Konkurrenz?

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Checkout, das letzte Puzzle-Teil des Google Machtsystems

Google betritt ein Geschäftsfeld, das bisher von eBays Paypal dominiert wurde. In der ersten Ausbaustufe wird Checkout dem Verbraucher als ein System präsentiert, das den Einkauf leichter macht.

Das gestern von Google in einer Beta-Version vorgestellte Zahlungssystem "Checkout" belegt vor allen anderen Dingen Eines: Auch der Chef eines Unternehmens, das "nur Gutes" tun will, muss sich nicht immer der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Denn noch vor wenigen Tagen sagte Google-Ceo Eric Schmidt bei der Ankündigung des Systems wörtlich, "It's not like PayPal at all", es lässt sich mit Paypal also nicht vergleichen. Und weiter: "Es macht für uns keinen Sinn, in einen Geschäftsbereich zu gehen, der schon von anderen führenden Unternehmen besetzt ist". Nun ist es ja vielleicht eine Frage der Wahrnehmung, aber ein Blick in heutigen Schlagzeilen zeigt, dass Checkout von weiten Teilen der Presse als Paypal-Konkurrent verstanden wird. Und dass Google nun ein Geschäftsfeld betritt, das bisher von eBays Paypal dominiert wurde. Aber sei's drum, Wahrheit ist schlieÿlich ein flexibles Gut.

Was Google jedenfalls mit Google Checkout für den US-Markt vorgestellt hat, ist schon ein sehr interessantes Gebilde. Und vor allem ein Gebilde mit groÿem Potential. In der ersten Ausbaustufe wird Checkout dem Verbraucher als ein System präsentiert, das den Einkauf leichter macht. Ein Login für das System auf einer beliebigen Shop-Seite eingepasst, und schon kann der Rubel rollen. Google übernimmt das komplette Handling der Kreditkartenzahlung. Dazu kommt, dass Google eine Rückzahlung für "unautorisierte Käufe" garantiert und die Möglichkeit bietet, die (Google) Mail-Adresse des Kunden zurückzuhalten. Damit soll die Gefahr verringert werden, mit dem Kauf ein unerwünschtes Spam-Abonnement zu erwerben.

Noch interessanter zeigt sich Google Checkout aber aus dem Blickwinkel des Händlers. Denn der kann nicht nur mit der Teilnahme an Google Checkout seine Seriosität unter Beweis stellen. Der Händler kann durch die Nutzung von Checkout auch Geld sparen - sofern er sich am Werbegrogramm Google Adwords beteiligt. Für jeden Dollar, der bei Google Adwords für Werbung ausgegeben wird, verspricht Google die kostenfreie Abwicklung eines Transfers in Höhe von jeweils 10 Dollar.

Und noch dazu haben Adwords-Kunden den Vorteil, in ihren Anzeigen mit der Teilnahme an Checkout werben zu können. In ihren Anzeigen erscheint ein kleiner Einkaufswagen, der signalisieren soll, dass dieser Händler ein von Google anerkannter Partner ist und dass es für dauer-eingeloggte Google-Nutzer dort problemlos möglich ist, die gewünschte Ware sofort zu kaufen.

Soweit also die erste Ausbaustufe von Google Checkout, wie sie sich derzeit für Verbraucher und Händler in den USA darstellt. Denn auf diese Zielgruppen ist das Modelle beschränkt. Wer an Checkout teilnehmen will, muss versichern, in den USA zu leben. Von einer Internationalisierung ist bisher noch nicht die Rede. Im alten Europa bleibt Paypal also noch eine Weile unbehelligt.

Doch das Checkout-Modell schreit förmlich nach einer Ausweitung. Und zwar in erster Linie in Bereiche, die bisher von der Google Fan-Gemeinde weniger gut akzeptiert wurden. Der Preisvergleich bei Froogle könnte durch Checkout beispielsweise aufgewertet werden. Ähnliches gilt für Google Base, das sich damit endlich wirklich in eine Art Auktionshaus verwandeln lieÿe. Auch das wurde ja schon oft behauptet und von Google wiederum bestritten. Doch was heisst das schon?

Überhaupt dürfte Google Checkout auch bei den heute so eifrigen Kritikern der Suchmaschine für freudige Erregung sorgen. Denn dieses System gibt Gelegenheit zu zeigen, wie gefährlich ein Google-Monopol tatsächlich ist. Google Checkout ist das letzte und bisher vielleicht wichtigste Teilchen eines Puzzles, das zusammengesetzt das Machtsystem Googles ergibt.

Dieses System besteht aus Elementen wie beispielsweise der ständigen Beobachtung durch Browser-Erweiterungen und nicht verfallenden Cookies, aus Elementen der Nutzer-Bindung mit vielen nützlichen Angeboten wie etwa Google Mail, Calendar, News, personalisierter Homepage etc. sowie aus einer Suchmaschine, die an zentraler Stelle die kommerziellen und nicht-kommerziellen Wünsche der Verbraucher aus erster Hand erfährt. Das System Google rundet sich mit Checkout ab - was kommt als nächstes?

Quelle: intern.de vom 30.06.2006

Weitere Links
intern.de 16.06.2006: Neue Gerüchte um Googles Zahlungssystem
Google Video zur Funktionsweise von Google Checkout
Google now baby-steps away from eBay-like auction service
Checkout alternative to PayPal: Google's venture not competing with eBay -- or is it?
Google launches Checkout service to compete with PayPal
Google says Checkout does not compete with eBay and PayPal

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